Warum heißt die Hämophilie „The Royal Disease“ bzw. „die königliche Krankheit“?

Die Hämophilie wird oft auch als `Royal Disease‘ bezeichnet – auf Englisch heißt das `die königliche Krankheit‘. Der Grund für diese merkwürdige Bezeichnung ist, dass die Königin Victoria - Königin von England von 1837 bis 1901 - eine sogenannte Hämophilie-Konduktorin, also Hämophilie-Überträgerin war1

Ihr achtes Kind, Leopold, hatte Hämophilie und litt unter häufigen Blutungen. Diese Blutungen wurden 1868 auch im British Medical Journal beschrieben.

Noch wichtiger für die Geschichte der Hämophilie war, wie Hämophilie an andere königliche Familien in Europa weitergegeben wurde. Zwei der Töchter von Königin Victoria, Alice und Beatrice, waren Hämophilie-Konduktorinnen. Sie übertrugen die Blutgerinnungsstörung durch Heirat in die deutschen und spanischen Königsfamilien.

Alexandra, Alices Tochter und Königin Victorias Enkelin, war ebenfalls Hämophilie-Konduktorin. Sie heiratete Nicholas, den Zar von Russland in den frühen 1900er Jahren. Alexandra, die Zarin übertrug die Hämophilie an ihren ersten Sohn, den Zarewitsch Alexei.

Zu der Zeit war Russland in politischem Aufruhr. Nicholas und Alexandra aber beschäftigten sich mehr mit den Gesundheitsproblemen ihres Sohnes als mit Politik. Der Mönch Rasputin war der einzige, der dem jungen Zarewitsch helfen konnte. Er verwendete Hypnose, um Alexeis Schmerzen zu lindern. Die Verwendung von Hypnose linderte möglicherweise nicht nur die Schmerzen sondern auch die Blutungen des Jungen.

Diese Fähigkeit war einer der Gründe dafür, dass Rasputin zu großen Einfluss am russischen Hof gelangen konnte. Die Krankheit des Thronfolgers des Zaren, die daraus entstehende nervliche Belastung der königlichen Familie und die Macht Rasputins trugen wohl maßgeblich zur Entstehung der russischen Revolution von 1917 bei.

„Porträt der Königin Victoria und ihrer Familie,gemalt 1846 von Franz Xavier Winterhalter. Zu Viktoria und Alberts Kindern gehörten Edward der siebte und Prinzessin Alice, die Urgroßeltern der Königin von England und des Herzogs von Edinburgh “.

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1 Konduktoren – lat. `Konduktere‘ für `Zusammenführen‘ - sind Individuen, welche eine Erbeigenschaft an ihre Nachkommen übertragen, ohne selbst von ihr betroffen zu sein.